Wenn Geld Politik macht
Man kennt die Vereinigten Staaten als globale Supermacht, deren Einfluss weltweit die Politik und Wirtschaft mitlenkt. Doch sehen manche seit Längerem in ihrem Einfluss mehr Last als Vorteil; das liegt unter anderem an ihren Entscheidungen über Zinsen und Sanktionen, die große, auffällig negative Auswirkungen auf andere Länder haben. Deshalb steht unsere Abhängigkeit von der amerikanischen Wirtschaft zunehmend in der Kritik.
Ein großer Aspekt dieser Abhängigkeit ist die Rolle des US-Dollars, der als globale Leitwährung agiert. Eine Rolle, die viele in Frage stellen, denn die konfrontierende Politik der amerikanischen Regierung bedeutet nicht nur Wert-, sondern auch Vertrauensverlust für den Dollar. Aber was ist eine Leitwährung überhaupt, und was würde es für die USA bedeuten, wenn der Dollar diese Rolle verlieren würde?
Eine Leitwährung ist eine international akzeptierte Währung, die in der globalen Wirtschaft verschiedene Rollen erfüllt, wie dass sie als Maßstab und Referenz genutzt wird, um den Wert anderer Währungen sowie den Preis von Rohstoffen (wie Öl) zu bestimmen. Andere Länder orientieren sich also am Dollar, um zu sehen, wie viel beispielsweise ihre eigene Währung wert ist.
Auch im internationalen Handel wird die Leitwährung verwendet, ganz unabhängig von der Währung der beteiligten Länder; die Rechnung wird in Dollar gerechnet. Wenn ein Land Öl kaufen würde, wird oft in Dollar bezahlt, selbst wenn das Land eigentlich Euro nutzt.
Aber die wichtigste Rolle des US-Dollars ist seine häufige Nutzung als Reservewährung. Reservewährungen sind also so etwas wie Sparschweine eines Landes, also finanzielle Vorräte. Zentralbanken halten den Dollar sowie andere Vermögenswerte (normalerweise Gold) und stützen dadurch ihre Währung.
Stell dir vor, der Euro fällt plötzlich stark im Wert. Die Europäische Zentralbank kann dann ihre Dollar-Reserven nutzen, um Euro zu kaufen. Dadurch steigt die Nachfrage wieder, und der Wert des Euros stabilisiert sich.
So ist eine Zentralbank nämlich für die Währung eines Staates oder einer Landesgruppe verantwortlich, wie eben den Euro. Sie haben eine entscheidende Rolle in der Wirtschaft unserer Welt und einen direkten Einfluss auf die globalen Finanzmärkte, da sie entscheiden, wie viel es kostet, Geld zu leihen und zu verleihen. Auch nutzen sie Zinssätze, das heißt, wie viel Prozent bei Rückzahlungen von geliehenem Geld an den Kreditgeber zurückgezahlt werden, um die Inflation zu verringern. Für die USA gilt dies genauso.
Schaut man sich also an, wie viele zentrale Aufgaben der Dollar in der Weltwirtschaft hat, wird deutlich, warum die Rolle der Leitwährung so ein großer Teil des amerikanischen Einflusses ist. Eine Ablösung des Dollars als Weltwährung hätte eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Folgen. Besonders betroffen wären natürlich die USA selbst, da der Dollar eine wichtige Grundlage ihrer Position als Weltmacht ist und eine Entdollarisierung ihre Wirtschaft stark belasten würde.
Durch seinen schon erwähnten Nutzen im internationalen Handel, besteht weltweit eine hohe Nachfrage nach ihm, was den USA Vorteile verschafft, wie bei der Aufnahme von Krediten oder beim politischen Einfluss. Würde der Dollar diese Rolle verlieren, käme es zu einer deutlichen Machtverschiebung auf der Welt, andere Länder oder Staatenbündnisse wie die BRICS-Staaten, ein wachsendes Bündnis von Ländern wie unter anderem China und Russland, welches mehr globalen Einfluss und eine weniger westlich geprägte Weltordnung anstrebt, könnten an Bedeutung gewinnen, besonders wenn sie ihren Handel mehr in eigenen Währungen abwickeln würden. Sie sind eine große kritische Stimme gegenüber dem US-Dollar als Leitwährung und eifern der Suche nach einer Alternative zu diesem nach, aber ein fähiger Nachfolger der amerikanischen Währung hat sich noch nicht finden lassen und auch keine der anderen großen Weltwährungen, wie der Euro oder der Renminbi (Yuan), wären derzeit bereit, diesen Platz einzunehmen.
Natürlich sind auch Kryptowährungen, wie Bitcoin, mögliche Kandidaten, aber sie sind noch von eher unvorhersehbarer Natur, haben eine zu geringe Stabilität und auch die möglichen Komplikationen, die Cyberangriffe mit sich bringen würden, sorgen für mangelndes Vertrauen von Seiten der Bevölkerung aus.
Ein schwächerer Dollar hätte zudem direkte Auswirkungen auf die US-Bevölkerung. Durch eine Abwertung der Währung würden Importgüter teurer, was die Inflation anheizen und die Kaufkraft der Menschen verringern könnte. Besonders betroffen wären Konsumgüter,
Elektronik und Energie, da viele dieser Produkte aus dem Ausland stammen. Langfristig könnte dies zu sinkendem Lebensstandard und wachsender sozialer Ungleichheit führen. Für Länder, die hohe Dollar-Schulden haben, würde das heißen, dass die Schuldenlast verringert wird, da Kredite in einer schwächeren Währung zurückgezahlt werden müssten. Für den Rest der Welt hätte ein Wertverlust des US-Dollars oder sogar eine Ablösung, sowohl Vorteile als auch Nachteile, viele Länder könnten unabhängiger vom Dollar werden und mehr Handel in ihren eigenen Währungen betreiben. Gleichzeitig könnte es in der Übergangszeit zu Unsicherheiten an den Finanzmärkten kommen, da sich bestehende Handels- und Zahlungssysteme verändern. Langfristig könnte eine solche Entwicklung jedoch zu einer gerechteren Verteilung von wirtschaftlicher Macht führen. Abschließend lässt sich festhalten, dass eine Entdollarisierung zwar tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen würde, jedoch keinen plötzlichen Zusammenbruch des Wirtschaftssystems. Vielmehr würde er eine Verschiebung wirtschaftlicher und politischer Machtverhältnisse herbeiführen.